ECVET
Die Mobilität von Lernenden ist ein zentrales Element der europäischen Zusammenarbeit im Bereich Bildung und Ausbildung. Allerdings ist die Mobilität der Auszubildenden in der Berufsbildung längst nicht so verbreitet wie etwa die Studierendenmobilität im Hochschulbereich. Dies liegt unter anderem an der großen Heterogenität in den europäischen Berufsbildungssystemen und daran, dass bislang ein allseits anerkanntes „Regelwerk“ fehlt, anhand dessen die im Ausland erbrachten Leistungen beschrieben, eingeordnet und somit angerechnet werden können.
Die Bildungsministerinnen und Bildungsminister der EU haben sich vor einigen Jahren das Ziel gesetzt, ein solches Regelwerk einzurichten. Das europäische Leistungspunktesystem für die berufliche Bildung (European Credit System of Vocational Education and Training, ECVET) ist ein System für die Ansammlung, den Transfer und die Anrechnung von Leistungspunkten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
Der Ansatz von ECVET beruht auf dem Konzept von Lernergebnissen: Künftig soll es nicht mehr darum gehen, wie lange jemand etwas wo gelernt hat, sondern welche Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen er oder sie erworben hat. Diese werden als Lernergebnisse bezeichnet. Im Rahmen von ECVET sollen diese Lernergebnisse zu Lerneinheiten (Units) zusammengefasst und mit Leistungspunkten belegt werden.
Zunächst werden in einer Pilotphase bis 2012 die notwendigen Strukturen aufgebaut und einzelne Elemente des Systems im Rahmen von Pilotprojekten in der Praxis getestet. Schwerpunkt soll zunächst das formelle Lernen sein. Ab 2012 erfolgt die schrittweise Anwendung und Nutzung des Systems auf die berufsbildenden Qualifikationen. 2014 werden die bis dahin gewonnenen Erfahrungen evaluiert, um auf Basis dieser Bewertung ggf. Anpassungsprozesse einzuleiten.
In Deutschland werden Elemente von ECVET im Rahmen einer nationalen DECVET-Pilotinitiative unter der Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersucht. Ziel der Pilotinitiative ist es, in zehn betriebspraktisch ausgerichteten Pilotprojekten transferierbare Verfahren zur Anrechnung von Kompetenzen und Lernergebnissen zu entwickeln und zu erproben, die es ermöglichen, die Mobilität und Durchlässigkeit innerhalb und zwischen den Bildungssystemen zu verbessern.
Seit November 2010 gibt es eine Nationale Koordinierungsstelle ECVET, die bei der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung angesiedelt ist. Die Nationale Koordinierungsstelle arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und fungiert als zentrale Anlaufstelle für grundsätzliche Fragen zum Thema Leistungspunktesystem für die Berufsbildung.





