MEHRSPRACHIGKEIT
Die EU-Mehrsprachigkeitspolitik zieht sich durch eine Vielzahl von Politikbereichen wie Kultur, Bildung, Kommunikation, Soziales, Beschäftigung, persönliche Rechte oder Migration und ist damit eine klassische Querschnittspolitik. Erst 2007 wurde das Thema Mehrsprachigkeit in der EU-Kommission auch auf Ressortebene etabliert. Inzwischen ist der Bereich in der Generaldirektion Bildung und Kultur verortet.
Die EU selbst gründet sich auf das Prinzip der Vielfalt in Kultur, Bräuchen und Glaubensrichtungen, was auch die Sprachen mit einschließt. Die sprachliche Vielfalt innerhalb der EU ist mittlerweile greifbarer als je zuvor, denn die Menschen haben heute viel mehr Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern aus dem Ausland als früher und sind selbst mobiler geworden. Immer öfter gibt es Situationen, in denen Kontakt zu anderen Sprachen entsteht – durch Studierenden- oder Lehrlingsaustausch, Migration, Geschäfte in Europas mehr und mehr zusammenwachsendem Binnenmarkt, Tourismus oder ganz allgemein durch die Globalisierung.
Für die Bildungspolitik ist die zunehmende Betonung der Bedeutung von Mehrsprachigkeit ein wichtiges Thema. So sollen zum Beispiel im Rahmen der Mobilitäts- und transnationalen Partnerschaftsaktionen der Bildungs- und Berufsbildungsprogramme der EU die Teilnehmer/innen zum Sprachenlernen motiviert werden.
Im Jahr 2002 haben sich die Staats- und Regierungschefs in Barcelona außerdem darauf verständigt, dass alle Europäerinnen und Europäer schon ab dem frühen Kindesalter Unterricht in mindestens zwei Fremdsprachen erhalten sollten („Muttersprache plus zwei“).
Auch im neuen strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung, der die Prioritäten der bildungspolitischen Kooperation bis 2020 festlegt, ist der Ausbau des Fremdsprachenlernens vorgesehen. Denn die sogenannte „fremdsprachliche Kompetenz“ gilt als eine Schlüsselkompetenz für die persönliche Entfaltung, aktive Bürgerschaft und Beschäftigungsfähigkeit jeder und jedes Einzelnen. Zudem ist geplant, dass ein europäischer Benchmark für das Fremdsprachenlernen entwickelt wird, anhand dessen gemeinsame Fortschritte beobachtet und bestehende Herausforderungen ermittelt werden können.
Seit 2001, dem Europäischen Jahr der Sprachen, findet jedes Jahr am 26. September der Europäische Tag der Sprachen statt, der den Menschen die Bedeutung des Sprachenlernens bewusst machen, alle in Europa gesprochenen Sprachen vorstellen und zu lebenslangem Sprachenlernen anregen soll.





